Analyse

Warum beim SC plötzlich so vieles leicht aussieht

Igor Matanović war auf dem Weg zur Grundlinie, Yuito Suzuki kam aus dem Rückraum. Matanović setzte sich gegen seinen Gegenspieler durch, legte den Ball zurück und Suzuki schob zum 4:0 ein. Lange besprechen mussten die beiden diese Szene offenbar nicht. Matanović musste Suzuki nicht einmal sehen. Er wusste, dass sein Mitspieler dort auftauchen würde.

Julian Schuster griff genau diese Szene nach dem Spiel auf. Für ihn zeigte sie, was sich in den vergangenen beiden Jahren entwickelt hat: Laufwege, Abstimmungen und ein Verständnis füreinander, das nicht mehr bei jedem Angriff neu verhandelt werden muss. Beim vierten Tor gegen Bremen sah das alles ziemlich leicht aus. Suzuki startete im richtigen Moment, Matanović entschied sich gegen den eigenen Abschluss und der Ball lag wenige Sekunden später im Tor.

Leicht sieht derzeit ohnehin einiges aus. Vier Pflichtspiele, vier Siege, 16:4 Tore. Der SC gewann 5:1 in Düsseldorf, setzte sich mit 3:1 und 4:1 gegen Motherwell durch und begann die Bundesliga mit einem 4:1 gegen Werder Bremen. In jedem Spiel mindestens drei Freiburger Tore. Wer den SC lange genug verfolgt, weiß, dass eine solche Torserie nicht unbedingt zur üblichen Saisoneröffnung gehört. Sechzehn Treffer waren in manchen Freiburger Phasen eher ein ordentliches Zwischenziel als die Ausbeute von elf Tagen.

Dieser Start ist allerdings nicht innerhalb von elf Tagen entstanden. In diesen elf Tagen wurde nur besonders gut sichtbar, woran die Mannschaft deutlich länger gearbeitet hat.

Erst einmal ging wenig leicht

Gegen Bremen dauerte es, bis von der späteren Leichtigkeit etwas zu sehen war. Die Gäste standen kompakt, Freiburg leistete sich einfache Ballverluste und traf mit dem Ball nicht immer die richtigen Entscheidungen. Aus dem offenen Spiel entstanden in den ersten 20 Minuten kaum Räume. Wer nur das 4:1 kennt, könnte daraus rückblickend ein Freiburger Offensivfeuerwerk vom Anpfiff bis zum Abpfiff machen. Wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass es zunächst eher nach geduldigem Bohren mit gelegentlich falschem Werkzeug aussah.

Schuster störte sich an der fehlenden Präzision und an Entscheidungen, die Bremen immer wieder den Zugriff ermöglichten. Die Lösung kam nach einer Ecke. Niklas Beste brachte den Ball in den Strafraum, Suzuki köpfte zur Führung ein. Es war bereits das achte Freiburger Pflichtspieltor nach einem Standard in dieser noch jungen Saison.

Acht Standardtore nach vier Spielen sind eine Zahl, bei der selbst der SC langsam prüfen könnte, ob er bei Eckbällen künftig Eintritt für eine zusätzliche Attraktion verlangen darf. Vor allem zeigen sie aber, wie wertvoll diese Stärke in engen Phasen ist. Solange Bremen aus dem Spiel heraus wenig zuließ, öffnete ein ruhender Ball die Partie. Danach wurde Freiburg sicherer, die Entscheidungen wurden klarer und die Räume größer. Der Standard war kein Ersatz für spielerische Lösungen. Er schuf die Sicherheit, aus der sie entstehen konnten.

Kurz vor der Pause zeigte Matanović, dass es auch aus der Distanz geht. Nach dem Seitenwechsel brach Derry Scherhant auf links durch und legte für Suzuki zurück. Wenige Minuten später folgte das Zusammenspiel zwischen Matanović und Suzuki zum 4:0. Vier Freiburger Treffer, vier unterschiedliche Entstehungswege: Ecke, Distanzschuss, Durchbruch über außen und eine Kombination zweier Spieler, die sich im entscheidenden Moment ohne Blickkontakt verstanden.

Freiburg wiederholte nicht so lange dieselbe Idee, bis Bremen irgendwann freundlich genug war, einen Fehler zu machen. Die Mannschaft fand für verschiedene Situationen verschiedene Lösungen. Das ist nach diesem Spiel die interessantere Erkenntnis als die Frage, ob Suzuki seinen Hattrickball inzwischen an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Zwei Jahre hinter vier Siegen

Schuster sprach nach dem Spiel von Abläufen und Abstimmungen, die sich über die vergangenen beiden Jahre in Richtung Automatismen entwickelt hätten. Das ist die weniger spektakuläre Erklärung für einen ziemlich spektakulären Saisonbeginn.

Der SC musste in diesem Sommer keine komplett neue Spielidee lernen. Viele Spieler kennen ihre Aufgaben, die Abstände untereinander und die Bewegungen ihrer Mitspieler. Sie wissen, wann ein Außenverteidiger nachschiebt, wo die Absicherung stehen muss und welcher Laufweg einen Raum öffnet, selbst wenn der Ball am Ende woanders landet. Diese Sicherheit macht es leichter, neue Spieler und veränderte Rollen einzubauen.

Gegen Bremen standen im Vergleich zum Rückspiel gegen Motherwell vier andere Spieler in der Anfangsformation. Die Ordnung der Mannschaft verschwand deshalb nicht. Freiburg brauchte eine Weile, um in die Partie zu finden, aber nicht, um sich grundsätzlich zu sortieren. Das ist ein erheblicher Unterschied – besonders in einer Saison, in der Schuster regelmäßig wechseln muss und wahrscheinlich selten dieselbe Elf dreimal hintereinander aufstellen wird.

Dahinter stehen weiterhin die Freiburger Grundlagen, die nach guten Spielen weniger Fototermine bekommen als Tore und Vorlagen: Laufbereitschaft, Zweikampfhärte, gegenseitige Absicherung und die Bereitschaft, Wege für andere zu machen. Ohne diese Arbeit würde die offensive Leichtigkeit ziemlich schnell wieder schwer aussehen.

Das Trainerjahr 2025/26 gehört deshalb zur Geschichte dieses Starts. Damals wurden Verbindungen aufgebaut, Aufgaben verteilt und Situationen wiederholt. Nicht alles funktionierte sofort, und selbstverständlich sah auch nicht jede Partie nach 16 Toren in vier Spielen aus. Wer sich an die eine oder andere zähe halbe Stunde erinnert, leidet nicht unter übertriebener Skepsis, sondern besitzt einfach ein funktionierendes Gedächtnis. Aber die Mannschaft musste in diesem Sommer nicht bei null beginnen. Die neuen Möglichkeiten treffen auf ein Fundament, das bereits trägt.

Suzuki glänzt, weil vieles zusammenkommt

Natürlich gehörte dieser Nachmittag Yuito Suzuki. Drei Tore in einem Bundesligaspiel lassen sich nicht hinter einer großen Mannschaftserzählung verstecken. Das wäre auch ein wenig unfair gegenüber einem Spieler, der Bremen innerhalb von 26 Minuten praktisch allein den Wunsch nach einem angenehmen Saisonauftakt ausgeredet hat.

Suzuki zeigte dabei unterschiedliche Qualitäten: beim 1:0 das Gespür im Strafraum, beim 3:0 den richtigen Laufweg nach Scherhants Durchbruch und beim 4:0 das Verständnis mit Matanović. Schuster verwies daneben auf Suzukis eigene Arbeit, seine Motivation und seinen Trainingsaufwand. Automatismen helfen einem Spieler, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Dreimal treffen muss er dort immer noch selbst.

Suzuki war der auffälligste Spieler, aber die vier Tore verteilten ihre Entstehung auf mehrere Schultern. Beste lieferte die Ecke zur Führung und brachte damit eine Qualität ein, die dem SC zusätzliche Sicherheit gibt. Scherhant bereitete erneut ein Tor vor und steht nach vier Pflichtspielen bei einem Treffer und fünf Vorlagen. Er war damit in jeder Partie an mindestens einem Tor beteiligt. Seine Geschwindigkeit bringt Tiefe, seine Hereingaben finden inzwischen auffällig regelmäßig einen Mitspieler, und bei Standards übernimmt er ebenfalls Verantwortung.

Sechs Torbeteiligungen in vier Spielen sind jedenfalls eine recht überzeugende Art, sich für weitere Einsatzzeit zu bewerben. Scherhant klopft nicht mehr vorsichtig an der Tür zur Startelf. Er scheint inzwischen zu prüfen, ob man sie nicht einfach ganz aushängen kann.

Matanović verband gegen Bremen fast alles, was seine bisherige Freiburger Entwicklung ausmacht. Er traf aus der Distanz, behauptete vor dem 4:0 den Ball und legte uneigennützig für Suzuki zurück. Nach dem Spiel sprach er selbst vor allem über seinen Fortschritt gegen den Ball. Schon nach dem Pokalspiel in Düsseldorf hatte er den eigenen Anteil am Gegentreffer angesprochen, obwohl zwei Tore und eine Vorlage eigentlich genügend angenehmere Gesprächsthemen geboten hätten.

Darin zeigt sich eine Linie. Matanović will nicht nur der Stürmer sein, der am Ende einer Aktion auftaucht. Er arbeitet daran, der Mannschaft in beiden Richtungen zu helfen. Dass er derzeit trotzdem regelmäßig trifft und vorbereitet, dürfte weder ihn noch uns übermäßig stören.

Suzuki, Matanović, Scherhant und Beste übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Keiner von ihnen muss dasselbe anbieten wie der andere. Gerade dadurch bekommt der SC inzwischen mehrere Möglichkeiten, ein Spiel zu öffnen.

Was leicht aussieht, fühlt sich für den Gegner anders an

Auch die Bremer sahen nach dem Spiel nicht nur eine Mannschaft, die einen besonders guten Abschlussnachmittag erwischt hatte. Daniel Thioune sprach über die Balance, die Freiburg über Jahre entwickelt habe. Bei Werder griffen die Automatismen noch nicht so wie beim SC. Freiburg sei in seiner Entwicklung deutlich weiter.

Niclas Füllkrug erlebte den SC als gefestigte und souveräne Mannschaft, die in den Zweikämpfen präsent ist und wenig unnötiges Risiko eingeht. Für den Gegner beginnt die Freiburger Leichtigkeit also deutlich früher als beim Torschuss: bei klaren Abständen, gewonnenen Zweikämpfen, abgesicherten Angriffen und Spielern, die ihre nächste Bewegung schon kennen.

Bremen reiste unter schwierigen Voraussetzungen an. Die Vorbereitung war unruhig, wichtige Rollen waren noch nicht gefestigt und Jens Stage fiel kurzfristig aus. Düsseldorf spielte lange in Unterzahl, Motherwell war in beiden Begegnungen Außenseiter. Die bisherigen Gegner gehörten nicht zur europäischen Spitze.

Das muss man einordnen, aber auch nicht so lange wiederholen, bis aus vier überzeugenden Siegen beinahe ein bedauerliches Missverständnis wird. Der SC hat sich die Gegner nicht am Bahnhof ausgesucht. Er hat die Aufgaben bekommen und 16 Tore erzielt. Gerade die vergangene Saison zeigte, dass ein vermeintlich günstiger Saisonauftakt keine Punktegarantie enthält. Damals gingen die ersten beiden Bundesligaspiele gegen Gegner verloren, bei denen vorher durchaus mit einem besseren Start gerechnet worden war. Papierform erzielt weiterhin erstaunlich wenige Tore.

Vier Siege beantworten trotzdem noch nicht, wie Freiburg gegen die stärksten Mannschaften der Bundesliga oder später in den entscheidenden Spielen der Conference League aussehen wird. Dazu waren auch jetzt nicht alle Phasen sauber. Gegen Bremen brauchte es den Standard als Türöffner. In den jüngsten Spielen fielen späte Gegentore nach ruhenden Bällen, und Mio Backhaus hatte Situationen, die er selbst besser lösen möchte. Schuster fordert Kontrolle unabhängig davon, ob es 0:0 oder 4:0 steht.

Das ist keine vorgeschriebene Euphoriebremse. Nach vier Siegen und 16 Toren darf man sich als SC-Fan auch einfach darüber freuen, dass derzeit fast jeder Angriff nach einer guten Idee aussieht. Die offenen Punkte erklären lediglich, weshalb Schuster trotz der Ergebnisse genug Arbeit für die nächsten Wochen findet. Trainer sollen daran angeblich nicht ganz unglücklich sein.

Die Arbeit hinter der Leichtigkeit

Der Traumstart beweist noch nicht, wohin diese Saison führt. Er zeigt aber ziemlich deutlich, worauf sich der SC verlassen kann. Die Mannschaft besitzt eine Ordnung, die personelle Veränderungen aushält. Standards lösen enge Phasen. Unterschiedliche Spieler bringen unterschiedliche Wege zum Tor ein. Und viele Laufwege müssen nicht mehr erst gesucht werden.

Deshalb kann Suzuki dreimal treffen, ohne dass der Beitrag nur von Suzuki handeln muss. Deshalb kann Matanović zwischen Torjäger, Vorbereiter und Defensivarbeiter wechseln. Deshalb sammelt Scherhant in jedem Spiel Scorerpunkte, während Beste mit seinen Standards eine weitere Tür öffnet.

Beim 4:0 gegen Bremen reichten wenige Sekunden, um all das sichtbar zu machen. Suzuki startete, Matanović wusste, wohin er den Ball legen musste, und keiner von beiden brauchte eine zusätzliche Einladung.

Die Tore sehen derzeit leicht aus, weil diese Mannschaft gelernt hat, schwierige Situationen gemeinsam zu lösen. Und ganz ehrlich: Wenn dabei weiterhin vier Tore pro Spiel herauskommen, muss vorerst niemand verlangen, dass es wieder ein bisschen schwerer aussieht.

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