Analyse

Fünf Tore, aber nicht fünf Tore lang

Ein 5:1 erzählt normalerweise eine ziemlich einfache Geschichte. Der Favorit kommt, zeigt kurz die Hackordnung, schießt ein paar Tore und fährt wieder heim. In Düsseldorf war das nur beim Blick auf das Ergebnis so. Wer nach siebzig Minuten behauptet hätte, der SC werde diesen Abend mit fünf Treffern beenden, hätte entweder sehr viel Vertrauen in unsere Einwechselspieler gehabt oder bereits Zugang zu Informationen aus der Zukunft. Wahrscheinlicher war zu diesem Zeitpunkt die übliche Pokalrechnung: Freiburg führt, Freiburg ist besser, Freiburg müsste längst höher führen – und hoffentlich rächt sich das nicht.

Der Anfang hatte noch wenig Anlass für solche Gedanken gegeben. Der SC war sofort im Spiel, ließ Düsseldorf kaum Luft und ging nach 18 Minuten verdient in Führung. Patrick Osterhage arbeitete sich über die Grundlinie, Lucas Höler stand in der Mitte und erledigte den Rest. Ein Höler-Tor eben: nicht unbedingt eines, das später in Dauerschleife durch Fußballmuseen läuft, aber eines, bei dem man sich fragt, warum andere Stürmer so oft überall stehen, nur nicht dort. Auch der Freiburger Block war vom Beginn weg zu hören. Auf dem Platz stimmte der Zugriff, auf den Rängen die Lautstärke, und der Abend schien früh in die gewünschte Richtung zu laufen.

Er lief danach allerdings sehr lange nur noch in diese Richtung, ohne irgendwo anzukommen. Freiburg hatte den Ball, Düsseldorf lief hinterher, wirkliche Gefahr entstand vor dem SC-Tor kaum. Trotzdem blieb es beim 1:0. Suzuki scheiterte frei vor Louis Lord, Grifo setzte einen guten Abschluss über das Tor, dazwischen wurde viel kontrolliert und wenig entschieden. Man konnte mit dem Spiel zufrieden sein und gleichzeitig langsam unruhig werden. Beides war in den Reaktionen der Fans zu spüren. Niemand musste den SC nach einer Stunde grundsätzlich infrage stellen, aber ein zweites Tor wäre schon sehr freundlich gewesen. Einfach als kleine Aufmerksamkeit für alle, die Pokalspiele mit knapper Führung nur bedingt als Wellnessprogramm empfinden.

Denn Kontrolle beruhigt nur, solange man nicht darüber nachdenkt, was ein Standard, ein abgefälschter Ball oder ein einziger verlorener Zweikampf anrichten kann. Düsseldorf war bis dahin offensiv harmlos, kam zu Beginn der zweiten Hälfte aber plötzlich zu zwei Abschlüssen. Aus dem Drittligisten, der kaum etwas zustande gebracht hatte, wurde für ein paar Minuten wieder ein möglicher Pokalgegner. Nicht zwingend auf dem Platz, aber im Kopf. Genau darin liegt der Unterschied zwischen dem Ergebnis, das heute überall steht, und dem Spiel, das wir erlebt haben. Das 5:1 wirkt rückblickend souverän. Das 1:0 nach 65 Minuten fühlte sich eher nach einer noch nicht erledigten Aufgabe an, die unangenehm lange auf dem Schreibtisch lag.

Dann kamen Derry Scherhant und Igor Matanović. Zwei Minuten später brachte Scherhant einen Freistoß in den Strafraum, Matanović stieg hoch und köpfte das 2:0. Wieder drei Minuten später legte Scherhant für Kübler auf. Plötzlich war aus dem zähen 1:0 ein 3:0 geworden, und das Spiel wechselte schneller seine Stimmung, als man „unnötig spannend“ sagen konnte. Schleuseners Anschlusstreffer gegen seinen früheren Verein sorgte nicht mehr für eine echte Rückkehr der Fortuna. Matanović schickte Makengo auf den Weg zum 4:1 – dessen erstem Pflichtspieltor für den SC – und setzte in der Nachspielzeit selbst den Schlusspunkt.

Zwei Tore, eine Vorlage und praktisch sofort spürbarer Einfluss: Für mich war Matanović der Spieler des Spiels. Dazu brauchte es diesmal weder eine tiefschürfende Datenanalyse noch eine nächtliche Sitzung des internationalen Expertenrats. Scherhant brachte ebenfalls genau die Energie, die der Partie gefehlt hatte. Die beiden Einwechslungen entschieden diesen Abend, und das darf man auch so klar benennen. Daraus müssen wir aber nicht schon wieder einen Vortrag über Kaderbreite, Bankqualität und die wundersame Vervielfältigung Freiburger Möglichkeiten machen. Dafür gab es bereits genügend andere Gelegenheiten. In Düsseldorf reichte die viel einfachere Beobachtung: Zwei Spieler kamen herein und veränderten dieses eine Spiel.

Am Ende standen 17:5 Torschüsse, fast drei Expected Goals für den SC und fünf verschiedene Freiburger Jubelmomente, wenn man Matanovićs zweiten Treffer einzeln mitzählt – was man aus Höflichkeit gegenüber einem Doppelpacker durchaus tun sollte. Der Sieg war verdient und in seiner Deutlichkeit auch keine Täuschung. Freiburg war klar besser, hatte mehr Möglichkeiten und nutzte die Räume konsequent, als Düsseldorf öffnen musste. Trotzdem war die Fortuna ein Drittligist, der auch sein drittes Pflichtspiel verlor und Backhaus über weite Strecken einen ziemlich ruhigen Arbeitsplatz bot. Wir haben eine Pokalaufgabe überzeugend gelöst. Wir haben nicht gerade Real Madrid aus dem Wettbewerb gekegelt.

Vielleicht passt deshalb Schusters Reaktion besser zu diesem Abend als jede große Schlussfolgerung. Er freute sich über den Fokus, die Stabilität und das Weiterkommen, ärgerte sich aber über die kurze Düsseldorfer Druckphase und darüber, dass der SC die Partie nicht früher klargemacht hatte. Vor allem trennte er sauber zwischen Mannschaft und Umfeld. Wir dürfen nach der vergangenen Saison träumen. Die Mannschaft beschäftigt sich mit Basics, Etappenzielen und vorerst mit den Spielen bis zur Länderspielpause.

Das ist vermutlich eine ganz brauchbare Arbeitsteilung. Schuster zählt Etappen, wir zählen Tore. Und fünf davon nehmen wir aus Düsseldorf sehr gerne mit – auch wenn sich der Abend erst ziemlich spät danach angefühlt hat.

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