Das Tagesgeschäft · Spielrückblick
Spitzenreiter. Und was für ein Stück Arbeit.
Die Tabelle darf ruhig noch ein bisschen offen bleiben. SC Freiburg ganz oben, 13 Punkte aus fünf Spielen, vier Siege und ein Unentschieden. Das schaut sich ausgesprochen gut an. Wer am Sonntag nach dem 2:1 gegen Schalke noch einmal nachgesehen hat, ob da tatsächlich unser SC steht, dürfte damit kaum allein gewesen sein. Für die Freude darüber braucht es auch keine vorsorgliche Erklärung, dass eine Saison länger als fünf Spieltage dauert. Das wissen wir schon. Schön ist es trotzdem.
Dieses Spiel hat allerdings einiges an Nerven gekostet. Nach den ersten rund 20 Minuten sah es noch so aus, als hätte die Mannschaft die lange Länderspielpause einfach übersprungen. Freiburg war schnell, beweglich und sofort da. Eggestein traf in der zehnten Minute zur Führung, und das passte zu einem Beginn, bei dem Schalke reichlich zu tun hatte. Schon sein drittes Ligator. So langsam muss man bei Maxi aufpassen, dass die Freude über einen Treffer nicht jedes Mal klingt, als sei ihm versehentlich etwas völlig Ungewöhnliches passiert.
Aus dieser Anfangsphase hätte mehr werden können. Das ist der erste kleine Ärger, der auch nach einem gewonnenen Spiel bleibt. Der SC hatte den Gegner beschäftigt, kam gut nach vorne und ließ erahnen, wie unangenehm diese Mannschaft sein kann, wenn die Abläufe stimmen. Dann fiel durch Gantenbein nach einer Ecke das 1:1. Schalke war zurück, und mit der Freiburger Selbstverständlichkeit war es erst einmal vorbei. Aus dem starken Auftakt wurde ein Spiel, in dem sich unsere Mannschaft zunehmend schwerer tat.
Besonders nach der Pause waren die Gäste richtig gut drin. Freiburg bekam zu wenig Kontrolle, Schalke machte Druck. Über ein Unentschieden hätte man sich nach diesem Verlauf aus Freiburger Sicht nicht beschweren dürfen. Das schmälert die Freude über den Sieg kein bisschen. Es beschreibt nur, wie eng dieser Nachmittag tatsächlich war. Schalke hat sich den guten Freiburger Beginn gefallen lassen müssen, anschließend aber selbst einiges dafür getan, dass der SC ins Schwimmen kam.
Interessant ist, wie unterschiedlich die Spieler das hinterher bewerteten. Eggestein sprach sehr deutlich über den schlechten Start in die zweite Halbzeit und die Schalker Überlegenheit in dieser Phase. Höler hielt den Sieg insgesamt für hochverdient. Matanovic wiederum konnte sich den Einbruch nach der Pause selbst nicht recht erklären. Diese Unterschiede dürfen ruhig stehen bleiben. Nach so einem Spiel muss nicht jeder dieselbe Antwort haben, auch innerhalb einer Mannschaft nicht. Zumal Höler zunächst von draußen zusah und später mit einer ganz bestimmten Aufgabe hineinkam.
Nach Suzukis Gelb-Rot sollte er weiter vorne anlaufen. Das ist für diesen Sieg viel entscheidender als die Frage, welches Etikett man ihm am Ende anklebt. Freiburg blieb in Unterzahl aktiv. Die Mannschaft versuchte weiter, Schalke zu beschäftigen, statt sich nur noch vor dem eigenen Tor zu versammeln. Eggestein hob genau das hervor. Ein Spieler weniger, aber weiterhin der Wille, selbst etwas mit dem Ball und gegen den Ball anzufangen. Das muss man in einem Spiel, das einem gerade entglitten ist, erst einmal hinbekommen.
Suzuki hat es den Mitspielern mit seinem Platzverweis schwer gemacht. Schuster nahm ihn dafür auch in die Verantwortung. Gleichzeitig ließ die Mannschaft ihn mit der Sache nicht allein. Beides passt zusammen, ohne dass daraus eine große Grundsatzrede werden muss. Ein Fehler darf angesprochen werden, und anschließend helfen die anderen dabei, dass er nicht das ganze Spiel kostet. Am Sonntag ist das bemerkenswert gut gelungen.
Und dann kamen Grifo und Goto. Flanke des einen, Kopfball des anderen, 85. Minute, 2:1. Zwei eingewechselte Spieler entscheiden ein Heimspiel, in dem der SC längst in Unterzahl ist. Bei Grifos rechtem Fuß weiß man inzwischen ziemlich genau, was möglich ist. Dass der Ball trotzdem wieder so ankommt und Goto ihn verwertet, ist jedes Mal aufs Neue eine Freude. Der Wert der Bank ließ sich an diesem Nachmittag sehr konkret erkennen. Höler brachte vorne Arbeit hinein, Grifo und Goto die entscheidende Aktion.
Wie viel davon mit der Freiburger Reaktion und wie viel mit Schalkes Entscheidungen zu tun hatte, lässt sich nicht sauber auseinanderrechnen. Schuster vermutete zudem, dass die intensive Laufarbeit der ersten Halbzeit den Gegner später Kraft gekostet haben könnte. Das ist ein nachvollziehbarer Gedanke. Eine einfache Erklärung nach dem Muster „Platzverweis bekommen, dadurch besser geworden“ wäre trotzdem etwas bequem. Den Aufwand mussten die verbliebenen Spieler schließlich erst einmal betreiben. Der Sieg fiel ihnen auch zu zehnt nicht in den Schoß.
Matanovic sieht die Tabellenführung als Ergebnis der täglichen Arbeit. Damit hat er einen Punkt. 13 Punkte sammeln sich nicht versehentlich an. Gleichzeitig waren Leipzig, Stuttgart, Dortmund, Leverkusen und Bayern bisher noch keine Gegner. Wie weit dieser SC in der Saison kommen kann, bleibt spannend. Frankfurt hat schon gefordert, Schalke nun ebenfalls. Gerade deshalb gefällt an diesem Sieg, dass die Mannschaft auch aus einem schwierigen Nachmittag noch etwas gemacht hat. Für Zuversicht ist das ein guter Grund. Und für einen ausgiebigen Blick auf die Tabelle sowieso.
Auch im Nachwuchs war einiges los
Die U19 gewann im Mösle mit 3:1 gegen Hoffenheim, den amtierenden deutschen Meister und bisherigen Spitzenreiter. Als einziges Team ihrer Gruppe ist sie weiterhin ungeschlagen. Das ist ein Ergebnis, das an diesem Wochenende neben dem Profisieg seinen eigenen Applaus verdient.
Für die U23 lief es weniger erfreulich. Gegen Tabellenführer SGV Heilbronn-Freiberg reichte Raweris Führung nicht, am Ende stand ein 1:2. Besonders der Ausgleich noch vor der Pause ärgerte Bernhard Weis. Er erkannte zugleich an, dass der Gegner mehr Chancen gehabt hatte. Eine knappe Niederlage, bei der etwas möglich war und trotzdem Arbeit bleibt.
Die U17-Junioren holten bei den Stuttgarter Kickers ein 0:0 und sind damit seit vier Spielen ungeschlagen. Die U16 gewann durch einen späten Treffer 1:0 in Sandhausen. Bei den Juniorinnen verteidigte die U17 mit einem 2:1 gegen die SG Markgräflerland ihre Tabellenführung, die U15 schlug Crailsheim mit 2:0.
Ein Wochenende also mit reichlich Gesprächsstoff. Bei den Profis wird vor allem dieser eine Moment bleiben: Grifos Flanke, Gotos Kopfball und ein Sieg, der zwischendurch alles andere als sicher schien. Dass darüber nun „Spitzenreiter“ steht, macht die Erinnerung noch ein gutes Stück schöner.




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