Analyse
Danke, Backhaus: Dieses 1:0 hat Nerven gekostet
Foto: SC Freiburg / Instagram · Gestaltung: SCF Blickwinkel
Pieringer steht frei vor Backhaus. Die zweite Halbzeit ist gerade einmal fünf Minuten alt, Freiburg führt 1:0, und für einen Moment sieht das nach dem Ausgleich aus. Dann greift Backhaus ein und rettet die Führung. Puh. Es gibt Torwartaktionen, bei denen man hinterher über Technik und Stellungsspiel reden kann. In diesem Moment genügt erst einmal ein sehr herzliches Dankeschön. Was danach kommt, macht es noch etwas herzlicher: Der SC gerät in Paderborn ordentlich ins Schwimmen und bringt den fünften Pflichtspielsieg mit reichlich Arbeit und dem nötigen Glück nach Hause.
Dabei hatte die erste Hälfte durchaus Anlass gegeben, sich diesen Nachmittag etwas weniger aufregend vorzustellen. Freiburg kam zu hohen Ballgewinnen, spielte nach vorne und hatte die besseren Möglichkeiten. Maximilian Eggesteins Treffer in der 26. Minute war die verdiente Belohnung. Ein bisschen Glück war dabei, weil ihm der Ball günstig vor die Füße fiel, wie Eggestein hinterher selbst einräumte. Man muss das Geschenk schließlich auch erst einmal ins Tor schießen. Das gelang, weitere Chancen blieben liegen, und so stand zur Pause nur dieses eine Tor zwischen dem SC und einem wieder völlig offenen Spiel.
Ein zweites hätte sehr geholfen. Das lässt sich hinterher natürlich immer wunderbar feststellen, wenn man selbst für keinen einzigen Abschluss verantwortlich war. Aber hier wurde die fehlende höhere Führung ziemlich schnell spürbar. Freiburg hatte sich in den ersten 45 Minuten einen Vorteil erarbeitet, der nach der Pause erschreckend wenig Sicherheit bot. Und das lag auch daran, dass auf der anderen Seite ein Trainer saß, der etwas an diesem Spiel ändern wollte.
Tigges kam, Freiburg suchte Antworten
Mit Steffen Tigges brachte Paderborn zur zweiten Halbzeit einen weiteren Zielspieler nach vorne. Die Gastgeber suchten nun häufiger den langen Ball, konnten ihn vorne festmachen oder verlängern und rückten auf die zweiten Bälle nach. Für Freiburg wurde damit ein guter Teil des bisherigen Anlaufens umgangen. Eggestein beschrieb hinterher offen, wie sehr die beiden Stoßstürmer dem mannorientierten Pressing die Wirkung genommen hatten. Der SC kam schlechter in die Aktionen und fand zu lange keine überzeugende Antwort.
Das ist eine Erklärung, mit der sich etwas anfangen lässt. Paderborn spielte diese Phase richtig gut. Der Aufsteiger merkte, dass da etwas ging, und machte weiter. Gleichzeitig half Freiburg mit: Kaum schien eine Situation bereinigt, brachte eine unsaubere Aktion mit dem Ball den nächsten Ärger. Schusters Kritik an den eigenen Entscheidungen passt deshalb zu Eggesteins Erklärung. Die gegnerische Umstellung erschwerte die Arbeit gegen den Ball; die eigenen Fehler verhinderten, dass mit Ball endlich wieder Ruhe einkehrte. Als Zuschauer kam der Wunsch nach einem schlichten Befreiungsschlag da durchaus auf. Einfach mal raus mit dem Ball und durchatmen, bevor der nächste Paderborner wieder im Strafraum steht.
Backhaus hatte seinen großen Moment gegen Pieringer bereits geliefert, aber damit war die Sache längst nicht erledigt. Freiburg musste weiter verteidigen, Wege machen und im Strafraum aufpassen. Pieringer und Laurin Ulrich verfehlten das Tor später nur knapp. Es war keine pausenlose Folge hundertprozentiger Chancen, auch darauf hat Ginter hingewiesen. Bedrohlich genug fühlte es sich trotzdem an. Ein Unentschieden wäre nach dieser zweiten Hälfte aus Freiburger Sicht schwer als große Ungerechtigkeit zu verkaufen gewesen. Dass es beim 1:0 blieb, hatte mit Backhaus, mit der gemeinsamen Gegenwehr und eben auch mit Glück zu tun. Treus Stolz auf den Willen, die Null zu halten, ist deshalb gut nachvollziehbar.
Die längste Viertelstunde
Irgendwann wurde es tatsächlich wieder ruhiger. Makengos gefährlicher Vorstoß in der 66. Minute war ein Zeichen dafür, dass Freiburg sich wieder lösen konnte. Die ersten Wechsel folgten erst in der 74. Minute. Grifo und Kübler kamen also in ein Spiel, in dem der SC bereits wieder etwas besser stand; die Einwechselspieler halfen anschließend zusätzlich, den Vorsprung abzusichern. Trotzdem blieb bis zum Schluss diese unangenehme Rechnung im Kopf: Ein Ball reicht. Da können die letzten Minuten eines Fußballspiels erstaunlich wenig mit der Zeit zu tun haben, die eine normale Uhr anzeigt.
Nun stehen sechs Ligapunkte und fünf Siege aus fünf Pflichtspielen da. Das darf Freude machen, gerade nach einem solchen Nachmittag. Eggesteins Tor zählt, Backhaus’ Eingreifen zählt, und die ganze mühsame Arbeit dazwischen hat sich ausgezahlt. Für Schuster und die Mannschaft bleibt die ziemlich konkrete Frage, wie sie beim nächsten gegnerischen Umbau schneller wieder Zugriff bekommen. Für diesen Auswärtssieg darf der erste Gedanke aber ruhig beim Torwart bleiben. Danke, Backhaus. Beim nächsten Mal muss die Dankbarkeit nicht unbedingt wieder mit so viel Puls verbunden sein.
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