Das Tagesgeschäft · Spieltagsvorschau

Ganz schön groß geworden, unser SC. Und jetzt kommt Schalke.

Redaktionelle Gestaltung mit einer Aufnahme vom Europa-Park Stadion.

Rund 85.000 Mitglieder. Man kann diese Zahl lesen, kurz nicken und zur nächsten Meldung gehen. Man kann aber auch einen Moment dabei bleiben. So viele Menschen wollen zu diesem Verein gehören. Zu unserem SC, über den wir seit Jahren reden, uns freuen, gelegentlich fürchterlich aufregen und am nächsten Spieltag selbstverständlich wieder mitfiebern. In dieser Woche kamen die Geschäftszahlen und die Pläne für ein Vereinsmuseum dazu. Vor dem Heimspiel gegen Schalke lohnt es sich, das alles einmal zusammenzunehmen. Ganz schön groß geworden, dieser Sport-Club.

Gerade die vergangenen fünf Jahre haben viel verändert. Das neue Stadion, die europäischen Abende, zuletzt die Reise bis ins Europa-League-Finale: Der SC hat sich Möglichkeiten erarbeitet, die längst über einen gelegentlichen Ausflug nach oben hinausgehen. Wer den Verein schon länger begleitet, muss seine alten Erinnerungen dafür nicht beiseiteschieben. Sie machen das Staunen eher noch größer. Man darf sich an frühere Zeiten erinnern und gleichzeitig ausgesprochen gerne dort sein, wo Freiburg heute steht.

Zur Entwicklung gehört die Fußballschule, die gerade ihren 25. Geburtstag gefeiert hat. Dort wurde über lange Zeit in Menschen investiert, lange bevor feststand, wer einmal in der Bundesliga spielen würde. Einige haben unsere Mannschaft geprägt, andere sind weitergezogen, manche zurückgekommen. Gute Ausbildung hat dem SC sportlich geholfen, erfolgreiche Transfers haben zusätzlichen Spielraum geschaffen. Dazu kamen die Entwicklung der gesamten Mannschaft und die Arbeit vieler Menschen im Verein. So etwas wächst über Jahre. Umso schöner, wenn sich irgendwann so deutlich sehen lässt, was daraus geworden ist.

212,1 Millionen Euro Gesamterlöse meldet der SC für die Saison 2025/26, dazu einen Jahresüberschuss von 30,5 Millionen. Das Eigenkapital lag Ende Juni bei 194,2 Millionen Euro, Bankverbindlichkeiten bestehen keinerlei. Europapokal, DFB-Pokal, Transferüberschüsse und gewachsene Einnahmen in weiteren Bereichen haben dazu beigetragen. Für uns auf den Rängen bedeutet das vor allem: Der Verein kann langfristig entscheiden und besitzt wirtschaftlichen Rückhalt. Es ist ein gutes Gefühl, dass hinter dem sportlichen Erfolg auch eine solche Stärke steht. Daraus muss keine Einkaufsliste für das nächste Transferfenster werden.

Besonders gefällt der Gedanke an ein Vereinsmuseum am Rathausplatz. Geplant sind rund 300 Quadratmeter auf zwei Stockwerken, ein größerer Fanshop und eine kleine Gastronomie. Mitten in Freiburg könnte damit ein Ort entstehen, an dem die Geschichte des SC auch zwischen zwei Heimspielen gegenwärtig ist. Mal vorbeischauen, an einer alten Mannschaft hängen bleiben und feststellen, dass aus dem kurzen Besuch doch wieder eine längere Geschichte geworden ist. Der anschließende Stadtbummel müsste dann eben warten. Noch sind es Pläne, aber die Vorstellung passt wunderbar zu einem Verein, zu dem so viele Menschen etwas zu erzählen haben.

Heute richtet sich der Blick wieder aufs Spielfeld. Endlich. Drei Wochen ohne Bundesliga können sich erstaunlich ziehen, selbst wenn reichlich Freiburger bei ihren Nationalmannschaften unterwegs sind. Zwölf Spieler waren auf Reisen; Treu, Scherhant, Engelhardt und Makengo haben ihre A-Nationalmannschaftsdebüts erlebt, Backhaus mit der U21 die EM-Qualifikation geschafft. Das sind Erfahrungen, die man gerne mit nach Freiburg nimmt. Jetzt interessiert, wie schnell aus den Rückkehrern und den Daheimgebliebenen wieder die Mannschaft wird, die vor der Pause so viel Freude gemacht hat.

Schuster hofft auf Schwung aus diesen Erlebnissen. Für die Nationalspieler war die Unterbrechung allerdings keine dreiwöchige Erholung. Andere bekamen freie Tage, danach wurde trainiert, mit jungen Spielern gearbeitet und gegen Luzern getestet. Nun kommen alle wieder zusammen, und mit sieben Pflichtspielen in 20 Tagen wird gleich einiges verlangt. Ogbus und Yilmaz fehlen laut Vorbericht. Welche Elf beginnt, wird sich zeigen. Spannend ist heute zunächst, ob das Zusammenspiel sofort wieder greift: die Laufwege, das Nachrücken, die Sicherheit mit dem Ball. Genau die Dinge, die nach einer längeren Pause gerne selbstverständlich erwartet werden, obwohl die Mannschaft erst wieder gemeinsam in den Rhythmus finden muss.

Schalke dürfte wenig Interesse daran haben, uns diesen Einstieg angenehm zu machen. Fünf Punkte aus vier Spielen hat der Wiederaufsteiger gesammelt, gegen Bayern und Elversberg blieb er ohne Gegentor. Drei eigene Ligatreffer erzählen zugleich von einer Mannschaft, die vorne noch zulegen möchte. Mit Karius steht ein Torwart dahinter, der viel zur bisherigen Stabilität beiträgt. Da wird es auf Genauigkeit ankommen, auch wenn sich eine Lücke nur kurz öffnet. Ein Heimspiel, bei dem Geduld genauso gefragt sein könnte wie Tempo.

Die letzten drei Freiburger Heimduelle mit Schalke endeten jeweils 4:0. Eine ausgesprochen nette Erinnerung, die man gerne noch einmal hervorholen darf. Als Gebrauchsanweisung für diesen Sonntag taugt sie kaum. Junior Adamu kommt inzwischen im Schalker Trikot zurück. Solche Wiedersehen gehören dazu, und natürlich verfolgt man einen ehemaligen Freiburger etwas genauer. Für heute wäre es trotzdem völlig ausreichend, wenn die schönen Momente seines Nachmittags vor dem Anpfiff und nach dem Abpfiff liegen.

Schuster hebt neben der Schalker Abwehr auch das Umschalten und die Standards hervor. Seine Forderung nach Geduld lässt sich deshalb gut verstehen. Aus Fansicht wird interessant, wie der SC Druck macht, ohne nach einem abgewehrten Angriff gleich zu viel erzwingen zu wollen. Ein guter Angriff bleibt ein guter Angriff, wenn Karius am Ende noch eine Hand an den Ball bekommt. Dann braucht es den nächsten Versuch, neue Bewegung und weiter Unterstützung von den Rängen. Auf ein solches Spiel kann man sich freuen, auch wenn es womöglich lange eng bleibt.

Die guten Nachrichten dieser Woche nehmen wir gerne mit ins Stadion. Sie gehören zu dem Verein, dessen Mannschaft heute wieder vor uns steht. Es gibt reichlich Gründe, stolz auf den SC zu sein, und mindestens genauso viele, auf die kommenden Wochen gespannt zu sein. Jetzt kommt Schalke. Schön, dass es wieder losgeht.

Zum Spieltag: SC Freiburg – FC Schalke 04, heute, Sonntag, 11. Oktober, 17:30 Uhr im Europa-Park Stadion. Nach dem Spiel fahren die VAG-Sonderzüge nur bis Bertoldsbrunnen; Richtung Bissierstraße und Paduaallee am Rathaus im Stühlinger umsteigen. Bei der Anreise entfallen die RB27-Züge zwischen Freiburg Hbf und Müllheim, es gibt Busersatzverkehr. Auf der S1 fahren Zusatzzüge zwischen Hbf und Messe/Universität. Bitte die aktuellen offiziellen Anreiseinfos beachten.

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