Meinung
Ganz schön viel Freiburg in Klopps Kader
Neben vier Namen steht SC Freiburg. Bei vier weiteren müsste eigentlich noch ein kleiner Gruß aus dem Breisgau dahinter. Max Rosenfelder, Philipp Treu, Yannik Engelhardt und Derry Scherhant sind erstmals für die deutsche Nationalmannschaft nominiert. Dazu kommen Nico Schlotterbeck, Kevin Schade, Noah Atubolu und Mika Baur. Acht Spieler mit Freiburger Vergangenheit oder Gegenwart in Jürgen Klopps Aufgebot. Da bekommt selbst eine Länderspielpause mitten in der Saison plötzlich ihren Reiz.
Klopp hat für seine ersten vier Spiele gleich 44 Spieler eingeladen, verteilt auf zwei Gruppen. Reichlich Gelegenheit also, sich zu zeigen. Für Rosenfelder, Treu, Engelhardt und Scherhant bleibt es trotzdem die erste Berufung. So eine Nachricht muss man sich verdienen, auch bei einer längeren Kaderliste. Und beim SC darf man sich darüber freuen, dass gleich vier aus der aktuellen Mannschaft diesen Anruf bekommen haben.
Julian Schuster erinnerte sich in der Pressekonferenz an seine eigene Nominierung für die württembergische Auswahl. Schon damals sei die Freude riesig gewesen. Wie sich dann erst eine Einladung zur Nationalmannschaft anfühlen muss, konnte er sich entsprechend gut vorstellen. Eine schöne kleine Erinnerung zwischen all den Fragen zu Aufstellungen und Gegnern. Bevor über Einsatzminuten und Stammplätze diskutiert wird, haben da schließlich erst einmal vier Fußballer einen ziemlich guten Tag erlebt.
Dass Schuster die Berufungen auch als Anerkennung für die gesamte Mannschaft versteht, passt dazu. Die Entwicklung der vier findet im täglichen Training statt, mit Mitspielern, die sie fordern und besser machen. Nun fahren sie mit Qualitäten zum DFB, die hier längst geschätzt werden. Klopp sprach etwa über Treus Arbeit auf der rechten Seite, über Engelhardts Fähigkeiten beim Aufräumen und mit dem Ball sowie über Scherhants Dribblings und Torgefahr. Wer den SC regelmäßig verfolgt, braucht dazu keine lange Gebrauchsanweisung.
Interessant war auch, was Schuster über die Gespräche mit Klopp berichtete. Es ging um Verantwortung, um laute und leise Spieler, um ihr Verhalten innerhalb einer Mannschaft. Der Bundestrainer wollte wissen, welche Menschen er da einlädt. Schuster konnte ihm einiges über ihre Einstellung und ihre Bereitschaft mitgeben. Beim SC gehört das zum Alltag; anderswo ist es offenbar ebenfalls ganz brauchbar.
Wie unterschiedlich die Wege bis zu diesem Anruf waren, zeigt schon das Freiburger Quartett. Rosenfelder kam durch die Fußballschule. Treu spielte in der Jugend und der U23, Engelhardt ebenfalls für unsere Zweite. Beide sammelten anschließend anderswo Erfahrungen und kehrten zurück. Scherhant entwickelt sich bei den Freiburger Profis weiter. Vier aktuelle SC-Spieler, aber eben keine vier gleich verlaufenen Karrieren.
Noch deutlicher wird das bei Mika Baur. Während Schlotterbeck, Schade und Atubolu aus Freiburger Sicht ohnehin schnell mitgedacht werden, ist Baurs Name in diesem Aufgebot eine besonders schöne Nachricht. 2018 kam er in die Fußballschule, später spielte er für die U23. Der direkte Sprung in die Freiburger Bundesligamannschaft gelang damals nicht. Über Paderborn führte sein Weg weiter, inzwischen spielt er bei Celtic. Und jetzt steht er im deutschen Kader.
Schuster erwähnte dabei ausdrücklich Thomas Stamm, der Baur eng begleitet und gefördert hatte. Auf einer Nominierungsliste ist für solche Namen kein Platz. Zu der Geschichte gehören sie trotzdem. Wer die damalige U23 verfolgt hat, wird bei Baur, Treu und Engelhardt noch ganz andere Aufstellungen vor Augen haben. Damals war längst nicht ausgemacht, wo diese Spieler einmal landen würden. Nun treffen sich ihre Wege bei der Nationalmannschaft wieder.
Für die Freiburger Fußballschule, die gerade ihr 25-jähriges Bestehen feiert, kommt das zu einem schönen Zeitpunkt. An diesen acht Karrieren haben verschiedene Vereine gearbeitet, manche Spieler waren früher hier, andere kamen später dazu. Der Freiburger Anteil ist trotzdem beträchtlich. Und er reicht über die Fälle hinaus, in denen ein Jugendspieler direkt zu den eigenen Profis aufrückt. Auch die Jahre in der U23, ein späterer Wechsel oder eine Rückkehr können dazugehören. Bei Baur lässt sich gerade sehen, wie viel nach dem Abschied noch kommen kann.
Die Freiburger Namen verteilen sich auf beide Gruppen: Rosenfelder, Treu und Engelhardt sind zunächst gegen die Niederlande und Griechenland eingeplant, dazu Schlotterbeck und Schade. Scherhant, Atubolu und Baur folgen im zweiten Block gegen Serbien und Griechenland. Eine Rangfolge als A- und B-Auswahl verbindet Klopp damit ausdrücklich nicht. Wer seine ersten Minuten bekommt, wird sich zeigen. Gründe zum Einschalten gibt es jedenfalls in beiden Gruppen genug.
Vorher wartet Frankfurt. Die Glückwünsche dürfen unsere vier Neulinge gerne mitnehmen, die nächsten guten Leistungen bitte zunächst noch im SC-Trikot abliefern. Für den deutschen Fußball bleibt danach immer noch Zeit.
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