Analyse

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Von Motherwell nach Düsseldorf

Donnerstagabend, kurz vor halb zehn schottischer Zeit: 3:1 in Motherwell, das Playoff-Hinspiel zur Conference League gewonnen, eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel geschaffen. Kurz war da dieses Gefühl, das man als SC-Fan mittlerweile kennt und trotzdem nie ganz selbstverständlich nimmt: Stolz, ein bisschen Ungläubigkeit, die Frage: Wie machen die das eigentlich immer wieder? Und dann, noch bevor man diesen Moment richtig auskosten kann, schon der Griff zum Kalender. Denn zum Feiern bleibt kaum Zeit. Am Sonntag wartet die erste Runde des DFB-Pokals bei Fortuna Düsseldorf. Dazwischen liegen der Rückflug, die Landung am Freitagnachmittag auf dem Flugplatz Lahr, ein kurzer Zwischenstopp im Alltag – und schon wieder die Abfahrt.

Wer selbst schon einmal versucht hat, an einem Donnerstagabend unter der Woche nach Schottland zu kommen, ahnt, was das bedeutet. Ein Teil der Anhängerschaft hat genau das auf sich genommen: Flüge über Umwege, späte Rückreisen und geopferte Urlaubstage für ein Playoff-Hinspiel. Diese mitgereisten Fans haben den engen Rhythmus zwischen Motherwell und Düsseldorf nicht nur aus der Ferne mitverfolgt, sondern am eigenen Leib gespürt, bevor die Mannschaft überhaupt wieder in Deutschland gelandet ist.

Kein Ruhepunkt, sondern ein Rhythmus

Wer den Auftritt im Fir Park nur als Ergebnis abhakt, unterschlägt das eigentlich Bemerkenswerte dieser Tage: den beinahe nahtlosen Übergang. Schon die Anreise geriet zum Vorgeschmack darauf, wie eng alles getaktet ist. Trainer Julian Schuster und Kapitän Christian Günter mussten ihre Vorbericht-Pressekonferenz, eigentlich für 19.30 Uhr im Stadion angesetzt, wegen eines verspäteten Fluges und Staus kurzerhand aus dem fahrenden Auto geben – mitten im schottischen Feierabendverkehr und nur wenige Minuten vor der Ankunft am Hotel. Eine kuriose Szene, aber auch ein frühes Zeichen dafür, wie knapp die Zeitfenster zwischen Anreise, Spiel und nächster Aufgabe bemessen sind.

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ ist hier keine Floskel, sondern schlicht der Alltag einer Mannschaft, die zwischen Wettbewerben, Orten und Anforderungen umschalten muss. Motherwell war dafür die erste echte Bewährungsprobe: früh in Rückstand geraten, Ruhe bewahrt, die Begegnung gedreht – und danach sofort regenerieren müssen. Julian Schuster hob genau diese Ruhe hervor. Der SC habe sich nicht von Motherwells Emotionalität anstecken lassen, sondern diszipliniert weitergespielt, bis die eigenen Chancen kamen. Bezeichnend, dass er im gleichen Atemzug schon den nächsten Gegner mitdachte: Jedes Spiel solle genutzt werden, um besser zu werden.

Düsseldorf wartet – und wird nicht unterschätzt

Dass Fortuna aus der 2. Bundesliga abgestiegen ist und nun als Drittligist in die neue Saison gestartet ist, macht die Aufgabe aus Freiburger Sicht nicht automatisch leichter. Fortunas Trainer Alexander Ende hat vor der Partie selbst klargemacht, mit welcher Haltung seine Mannschaft antreten will: Respekt vor dem Gegner, aber der feste Wille, „einen Fight“ zu liefern und ein unangenehmer Gegner zu sein. Ein Pokalspiel gegen einen Bundesligisten ist für einen Drittligisten die Gelegenheit einer Saison – wenig zu verlieren, viel zu gewinnen. Freiburg wird also erneut dagegenhalten und sich zugleich von der kurzen Erholungszeit nicht beirren lassen müssen.

Kaderbreite wird zur ersten echten Prüfung

Der frühe Rhythmus – Motherwell auswärts, Düsseldorf, Motherwell zu Hause, dann der Bundesligaauftakt gegen Werder Bremen – stellt die Kaderbreite auf eine erste harte Probe. In Schottland kamen mit Mio Backhaus und Yannik Engelhardt zwei Neuzugänge von Beginn an zum Einsatz, während Berkay Yılmaz und Shuto Goto ihre ersten Pflichtspielminuten für Freiburg sammelten. Goto traf unmittelbar nach seiner Einwechslung – ein Achtungszeichen für die Rotation, die in den kommenden Tagen anstehen könnte, ohne dass sich daraus schon eine gesicherte Startelf für Düsseldorf ableiten ließe.

Zufrieden, aber nicht angekommen

Was bleibt, ist ein Gefühl zwischen Erleichterung und Aufbruch: zufrieden mit dem Ergebnis in Motherwell, aber ohne die Zeit, im Erfolg zu verharren. Konzentriert, unterwegs, leicht atemlos – ohne daraus gleich ein Belastungsdrama machen zu müssen. Genau das macht diese Tage aus: Man freut sich noch über das 3:1 und prüft gleichzeitig schon, ob man am Sonntagnachmittag rechtzeitig loskommt, um pünktlich in Düsseldorf zu sein. Zwischen Fir Park und Merkur Spiel-Arena liegen keine ruhigen Tage zum Durchatmen, sondern kaum mehr als ein kurzer Zwischenstopp zu Hause – für die Mannschaft genauso wie für alle, die wieder mitfahren.

Vielleicht ist das der eigentliche Kern dieser Saisonphase: Nicht das einzelne Spiel zählt, sondern dass man als Verein und als Anhang mithält, wenn der Kalender keine Pause vorsieht. Wer schon in Schottland dabei war und am Sonntag wieder am Rhein steht, weiß, wie außergewöhnlich diese Wochen sind. Das nächste Kapitel wartet nicht: Sonntag, 18 Uhr, Merkur Spiel-Arena.

Bildgestaltung: SCF Blickwinkel. Kartenbasis: Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Weitersagen

Hat dir der Beitrag gefallen?

Dann zeig ihn deinen Freunden.

Die Debatte

Kommentare

Beiträge erscheinen nach redaktioneller Freigabe – chronologisch, ohne Bewertung oder Sortierung.

Kommentare werden geladen …

Kommentar einreichen

Mit dem Absenden wird der Kommentar zunächst nur der Redaktion angezeigt.