Das Tagesgeschäft · Europapokal-Rückblick
Drei Punkte, zwei Gegentore zu viel
Eigentlich hätte dieser Abend längst erledigt sein können. Freiburg führte 3:1, hatte genügend Möglichkeiten für ein weiteres Tor und Jablonec über weite Strecken gut im Griff. Dann traf Kuol in der Nachspielzeit doch noch zum Anschluss. Es ging gut, der SC gewann seinen Auftakt in die Conference-League-Ligaphase mit 3:2. Aber diesen letzten Blick auf die Uhr hätte man sich und den 28.100 Zuschauern durchaus ersparen können.
Dabei gab es vorher einiges, das Freude gemacht hat. Schuster wechselte gegenüber dem Schalke-Spiel auf sieben Positionen, und die Mannschaft legte sofort ordentlich los. Irié war früh gefährlich, traf Aluminium, Kübler kurz darauf ebenfalls. Da stand eine Elf auf dem Platz, die etwas vorhatte. Wer zuletzt weniger gespielt hatte, musste sich offenbar nicht erst daran erinnern, wie das mit dem Freiburger Fußball funktioniert. Gerade Irié machte mit seinen Aktionen Lust darauf, noch mehr von ihm zu sehen.
Zur Führung gehörte dann auch Rosenfelders Vorwärtsdrang. Der marschierte aus der eigenen Hälfte los und ließ sich erst kurz vor dem Strafraum durch ein Foul aufhalten. Solche Ausflüge eines Innenverteidigers haben ja einen besonderen Reiz: Erst denkt man, jetzt könnte er langsam abspielen, und dann läuft er einfach noch ein Stück. Am Ende lag der Ball genau dort, wo Grifo ihn durchaus gerne vorfindet.
Der Freistoß saß. Hinterher erklärte Grifo, dass er ins Torwarteck schießen wollte und dafür mit zwei Mitspielern eine kleine Absprache getroffen hatte: zunächst die Sicht nehmen, kurz vor dem Schuss ausweichen. Klingt in der Erklärung recht übersichtlich. Den Ball anschließend so zu treffen, bleibt dann allerdings sein Anteil an der Sache. Ein schöner Treffer zur verdienten Führung, nach einem Beginn, aus dem durchaus noch mehr hätte werden können.
Nur wurde Freiburg danach gegen den Ball nachlässiger. Das störte Schuster, und das durfte auch auf den Rängen ärgern. Jablonec brauchte nicht viele Gelegenheiten, um wieder ins Spiel zu kommen. Beim Ausgleich durfte die Flanke kommen, im Strafraum blieb zu viel Platz. Dass der Abschluss noch abgefälscht wurde, machte es für Backhaus bitter. Die Probleme hatten aber schon vorher begonnen. So ging es mit einem 1:1 in die Pause, das sich angesichts der Freiburger Chancen ziemlich unnötig anfühlte.
Nach dem Wechsel übernahm der SC wieder das Kommando. Bis Pavlovics Eigentor als erneute Führung feststand, brauchte es allerdings eine längere Videoprüfung. Diese Minuten gehören zu den weniger schönen Begleiterscheinungen eines Torjubels. Man würde sich gerne freuen und wartet stattdessen darauf, ob man sich freuen darf. Beim Distanztreffer von Eggestein zum 3:1 war die Sache dann erfreulich eindeutig. Ein sauberer Abschluss und endlich etwas Luft.
Freiburg hätte den Abend anschließend deutlicher gestalten können. Chancen waren da, und insgesamt war das angesichts der vielen Veränderungen ein ordentlicher Auftritt. Die Mannschaft hatte Kontrolle, kam zu Abschlüssen und gewann verdient. Gerade deshalb nerven die beiden Gegentore. Es braucht keinen übertrieben strengen Maßstab, um festzustellen, dass Jablonec für seine wenigen Möglichkeiten zu viel bekommen hat. Schuster sprach genau das an und kritisierte neben der Phase nach dem 1:0 auch die Arbeit gegen den Ball gegen Ende.
Der späte Anschluss blieb ohne Folgen für die Punkteverteilung. Ganz unter den Tisch fallen sollte er deshalb trotzdem nicht. Ein weitgehend beherrschtes Spiel bis zum Abpfiff ordentlich zu verteidigen, hätte diesen Auftritt erst richtig rund gemacht. Dafür wäre kein zusätzlicher Zauber nötig gewesen, sondern noch ein paar Minuten Aufmerksamkeit.
So stehen nach Schusters 100. Pflichtspiel als SC-Cheftrainer die ersten drei Punkte in dieser Ligaphase. Dazu einige gelungene Auftritte, zwei schöne Freiburger Tore und genügend Szenen, die man in der Nachbesprechung noch einmal anhalten kann. Am Sonntag geht es um 15:30 Uhr in Leverkusen weiter. Den Sieg nehmen wir gerne mit. Das unnötige Offenhalten eines eigentlich entschiedenen Abends braucht dagegen keine Wiederholung.




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