Meinung
Beim 1:2 war Bayern plötzlich wieder in Reichweite
Luca Birkholz lässt Vanessa Gilles stehen, trifft ins lange Eck, und auf einmal ist dieser Nachmittag in München wieder offen. 64. Minute, nur noch 1:2. Da reicht ein Tor, und schon fängt man wieder an zu rechnen. Noch genug Zeit, noch ein guter Angriff, vielleicht geht hier ja doch etwas. Als SC-Fan ist man in solchen Dingen erfreulich unvernünftig.
Dabei war das vor allem ein richtig schöner Freiburger Treffer. Anna Reimanns Abschlag, der genaue Pass von Maj Schneider, dann Birkholz mit der Ruhe vor dem Tor. Gegen Bayern muss so ein Angriff erst einmal gelingen. Und Luca macht ihn eben rein. Nach dem 0:2 zur Pause und einer schwierigen Phase danach war das genau der Moment, den unsere Frauen gebraucht haben.
Was anschließend kam, machte die Hoffnung erst so hartnäckig. Der SC ging wieder nach vorne, störte Bayern und erzwang Fehler. Die Münchnerinnen hatten plötzlich Mühe, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen. Klara Bühl sagte hinterher: „Nach dem Anschlusstreffer hatte Freiburg eine Druckphase, da sind wir etwas geschwommen.“ Das hört man als Freiburger natürlich gerne. Noch lieber hätte man gesehen, dass dieser Zustand ein bisschen länger anhält.
Am Ende steht ein 1:4, und das ärgert mich nach so einem Spiel schon. Bayern hatte insgesamt mehr Chancen und hat verdient gewonnen. Trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass es beim 1:2 hätte kippen können. Der SC war wieder dran, Bayern war beschäftigt, und für eine Weile durfte man ernsthaft auf einen Punkt hoffen.
Der Weg dahin war mühsam genug gewesen. Beim ersten Gegentor ging im Aufbau der Ball verloren, Momoko Tanikawa traf aus rund 40 Metern über die weit vor ihrem Tor stehende Reimann hinweg. So ein Ding ist besonders lästig, wenn man eigentlich ganz ordentlich angefangen hat. Freiburg hatte sich etwas zugetraut, hoch verteidigt und selbst den Ball gehabt. Dann liegt man trotzdem hinten und muss diesem einen Fehler nachlaufen.
Gilles legte noch vor der Pause nach. Später brauchte es Reimanns Paraden und auch Emma Memminger, die vor der Linie klärte. Das gehört zu diesem Nachmittag genauso dazu wie der Freiburger Mut. Bayern hätte früher für klare Verhältnisse sorgen können. Hat es aber nicht, und unsere Frauen waren noch da. Dass Birkholz dann ausgerechnet Gilles vor ihrem Tor abschüttelte, war aus Freiburger Sicht schon eine besonders nette Zugabe.
Leider hatte Bayern auch noch Lena Oberdorf auf der Bank. Sie kam rein, spielte Bühl den Ball in die Tiefe, und die machte das 3:1. Damit war die Hoffnung ziemlich unsanft erledigt. Tanikawa erhöhte in der Nachspielzeit noch auf 4:1. Vier Gegentore lesen sich hart, wenn man kurz vorher noch überlegt hat, ob hier ein Punkt mit nach Freiburg fährt.
Marco Konrad verwies hinterher auf die Möglichkeiten beim Wechseln: Bayern bringt Nationalspielerinnen, beim SC sammeln junge Spielerinnen ihre Erfahrungen. An diesem Sonntag ließ sich das sehr konkret besichtigen. Ich kann trotzdem gut verstehen, dass er stolz auf seine Mannschaft war. Nach einem 0:2 in München muss man erst einmal so zurückkommen. Mir hat gefallen, dass unsere Frauen sich diesen Nachmittag noch einmal zurückholen wollten. Gerade nach dem Anschluss war richtig etwas los.
Jetzt wäre es schön, wenn auf diesen Auftritt wieder Punkte folgen. Am Sonntag, 13. September, kommt Mainz ins Dreisamstadion, Anpfiff ist um 18:30 Uhr. Auf Birkholz und ihre Mitspielerinnen freue ich mich jedenfalls. Auch wenn ich mich noch eine Weile darüber ärgern werde, dass nach dem 1:2 nichts mehr für uns drin war.
Wer vorher über die SC-Frauen sprechen möchte: Am Mittwoch, 9. September, um 18 Uhr sind Birgit Bauer-Schick, Marco Konrad und Lisa Karl beim öffentlichen Fan-Talk im Verwaltungsgebäude an der Haupttribüne des Dreisamstadions dabei, ohne Anmeldung. Wegen der Bauarbeiten ist P1 gesperrt; Parkplätze gibt es hinter der Südtribüne.
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