Meinung

1860: Warum der Freiburger Weg unser größter Luxus ist

Der tiefe Fall der Löwen: Warum der Freiburger Weg unser größter Luxus ist

Die Nachricht von Mittwochabend ist ein Albtraum für jeden Fußballfan mit Herz: Der TSV 1860 München bekommt keine Lizenz für die 3. Liga. Der Grund ist simpel wie brutal: Der Investor Hasan Ismaik hat die nötigen finanziellen Mittel nicht fristgerecht nachgewiesen und dreht den Geldhahn zu.

Mein aufrichtiges Beileid an die treuen Fans der Löwen. Was diese Kurve seit Jahren ertragen muss, hat absolut niemand verdient. Ein Traditionsverein steht vor einem kompletten Scherbenhaufen.

Der Größenwahn als Anfang vom Ende

Aber man muss kritisch und ehrlich bleiben: Der Absturz begann nicht erst mit dem Einstieg des Investors. Die Wurzel des Übels liegt viel weiter zurück. Der Anfang vom Ende war der völlig realitätsfremde, gemeinsame Bau der Allianz Arena auf Augenhöhe mit dem FC Bayern.

Man wollte bei den ganz Großen mitspielen und hat ein Stadion mitfinanziert, für das man aus eigener Kraft niemals die dauerhafte Auslastung generieren konnte. Als dann der sportliche Absturz kam, gab es nicht den Hauch eines Plans B.

Strukturelle Abhängigkeit statt gesundes Wirtschaften

Anstatt nach dem Auszug aus der Allianz Arena und den sportlichen Abstürzen die Reißleine zu ziehen und den Verein strukturell komplett neu aufzustellen, hat man den einfachsten, aber tödlichsten Weg gewählt: Das Leben am Tropf des Investors. Jedes strukturelle Defizit, jedes finanzielle Loch wurde nicht durch hartes Gesundschrumpfen gestopft, sondern durch frisches Geld von Hasan Ismaik.

Damit wurde die 50+1-Regel in München über die Jahre de facto komplett ausgehöhlt. Wenn ein Verein seine grundlegenden Lizenzbedingungen für die 3. Liga nur noch erfüllen kann, wenn der Investor gnädigerweise den Geldhahn aufdreht, hat man sich zu 100 Prozent ausgeliefert. Und genau das passiert jetzt: Der Investor nutzt den Entzug der Lizenz als eiskalte Retourkutsche, weil der Verein nicht exakt nach seiner Pfeife tanzt. Das ist der absolute Worst-Case für jeden Traditionsverein.

30 Jahre harte Arbeit: Der Freiburger Kontrast

Wenn man sieht, wie sich 1860 München in diese vollständige Abhängigkeit manövriert hat, wird einem erst wieder richtig bewusst, was hier beim SC Freiburg in den letzten 30 Jahren geleistet wurde. Wir wurden oft genug für unseren Weg belächelt, aber die Fakten sprechen für sich:

  • Das richtige Maß beim Stadionbau: Wir haben uns kein überdimensioniertes Ufo in den Mooswald gesetzt, um mit den Großen mitzuhalten. Wir haben ein Stadion gebaut, das zu unserer tatsächlichen Größe passt und – das ist der entscheidende Punkt – das finanziell auch bei einem Abstieg in die 2. Liga aus eigener Kraft tragbar bleibt.

  • Wirtschaftliche Unabhängigkeit: Der SC Freiburg hat nie den schnellen Erfolg auf Pump gesucht. Es wurden keine strukturellen Defizite angehäuft. Wenn wir abgestiegen sind, wurde der Gürtel knallhart enger geschnallt und man hat sich durch harte Arbeit wieder nach oben gekämpft, anstatt die Seele des Vereins für eine Finanzspritze zu verkaufen.

  • Kontinuität statt Konsum: Wir mussten uns oft anhören, uns würden die Ambitionen fehlen. Aber genau diese realistische, demütige Herangehensweise ist heute unsere Lebensversicherung.

Das Desaster in München ist die traurigste Werbung für den Erhalt von 50+1. Wir besitzen unseren Verein noch selbst. Es gibt in Freiburg keinen Alleinherrscher, der uns als Druckmittel über Nacht die Existenzgrundlage entziehen kann. Das ist kein Mangel an Ambitionen – das ist unser allergrößter Luxus.

Die Debatte

Kommentare

Beiträge erscheinen nach redaktioneller Freigabe – chronologisch, ohne Bewertung oder Sortierung.

Kommentare werden geladen …

Kommentar einreichen

Mit dem Absenden wird der Kommentar zunächst nur der Redaktion angezeigt.